
Masslos enttäuschend - Ein äußerst ärgerliches Buch, eine Frechheit. Die Autorin Catherine Merridale schreibt sich auf über 400 Seiten einen scheinbar überwältigenden Hass auf alles Sowjetische, Kommunistische, auf Stalin, Marx, Lenin usw. (das ist bei ihr alles eins) von der Seele. Das ist ihr gutes Recht. Nur bleibt dabei alles auf der Strecke, was man seriöser Weise unter angemessenem Umgang mit historischen Quellen versteht. Und ihr Forschungsgegenstand gerät in den Hintergrund. Es ist mir nicht gelungen, in diesem Buch einen systematischen roten Faden zu finden, nichts substantiell Neues oder Erhellendes über die Rote Armee und ihre Soldaten, die sprichwörtlichen Iwans, auf die der Titel anspielt. Besonders störend, nein, auf die Dauer sogar nahezu unerträglich, sind die ständigen Widersprüche, wenn die Quellen mal nicht so wollen, wie es der Autorin in den Kram passt. Dann widerspricht sie ihnen, gleich anschließend auch sich selbst, manchmal noch auf der gleichen Seite. Die Aussagen ihrer Interviewpartner oder der ausgewerteten Archivmaterialien biegt sie sich zurecht, auch wenn ihre Schlussfolgerungen im diametralen Gegensatz zur Mitteilungsabsicht der Quellen stehen. Im übertragenen Sinne scheint Frau Merridale den von ihr interviewten Veteranen und anderen Zeitzeugen keinerlei Respekt entgegen zu bringen, denn ihre Aussagen finden nur dann Gnade, wenn sie in ihr sehr enges Raster passen. Andernfalls maßt sie sich an, es besser zu wissen als die, die dabei gewesen sind.Warum ich die Lektüre bis zum Ende ertragen habe? Nun, ich habe mir Informationen über den Sachverhalt erhofft, den der Titel verspricht. Selten hat mich ein Buch mehr enttäuscht. Ich kann es nicht einmal guten Gewissens als gebraucht verkaufen. Also in den Altpapiercontainer damit. Schade um Zeit, Geld und Rohstoff.
Ein Buch über die armen Hunde des Krieges - Mit Iwans Krieg schreibt eine britische Historikerin über die Rote Armee im 2. Weltkrieg. Daß ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Zum einen ist es ein Thema, daß gerade in Westeuropa kaum beachtet wurde. Immerhin war der böse Sowjet-Russe seit 60 Jahren quasi das Feindbild des Westens gewesen und selten hörte man etwas über die Nation, die die mit Abstand größten Opfer zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus hat erbringen müssen.Zum anderen sind britische Historiker oft für ihre oberflächliche Anglozentristik bekannt wenn es um daß Thema 2.Weltkrieg geht. Ginge es nach ihnen, hat der 2.Weltkrieg vor allem in Afrika und auf dem Meer stattgefunden und Monty hat die Deutschen praktisch single-handed besiegt. Ein Buch über die Iwans des 2. Weltkrieges ist daher gerade von einer britischen Historikerin ein überraschender Schritt.Zwar bleibt die Autorin insgesamt etwas zu oberflächlich und handelt manche Schlüsselereignisse (vom Winterkrieg über die Besetzung der baltischen Staaten und Ostpolens bis zum Weltkrieg) etwas zu kurz ab. Dafür bleibt genügend Raum für Kommentare überlebender Frontsoldaten (und Soldatinnen, immerhin dienten in der Sowjetarmee auch Frauen). Diese Kommentare sind dann auch daß Highlight des Buches, denn am Ende wurden diese Kämpfer allein gelassen mit sich und ihren Erinnerungen. Schließlich blieben Wodka, Verdrängung und Folklore die einzigen Hilfen in einem Land, in dem der Soldat nur Masse ist, eben nur der Iwan.
wichtig und gut - die autorin hat ein wichtiges thema in ihrem buch verarbeitet und gut lesbar dargestellt. es mußte erst zum zusammenbruch des sowjetstaates kommen, bis man über den einfachen russischen soldaten so ohne pathos veröffentlichen konnte. man stelle sich vor- diese ruhmreichen soldaten der ruhmreichsten armee der welt (?) scheuen sich noch heute davor, über ihr schicksal im krieg zu reden, weil das einzige, was ihnen blieb, ist der glauben an den eigenen mythos. es ist nur recht und billig, nicht nur den amerikanern und engländern blumenkränze zu flechten, der russische soldat hat das allemal genauso verdient.die autorin baut dem soldaten der sowjetarmee ein realistisches denkmal, ohne den sowjetisch- realistischen glamour. erinnerungen von ehemaligen frontsoldaten spielen eine große rolle. man stelle sich nur einmal vor, man kommt aus einem siegreichen krieg nach hause und wird sogleich ins gefängnis gesteckt, weil man ein potentieller spion ist!! man kämpft gegen einen kriegstreibenden diktator und hat einen eigenen im nacken, für den man nur kanonenfutter ist. unglaublich... zu vermerken ist, dass es sich nicht um ein trockenes sachbuch handelt, es geht auch nicht so sehr um zahlen und karten und tabellen. das macht das buch nicht schlechter...ein wort zu den greueltaten, auf die so gerne von manchen leuten verwiesen wird. in diesem buch sind sie nicht ausgelassen, es wird versucht, diese zu begründen (und es wird nebenbei gesagt ganz und gar nicht vergessen daran zu erinnern, wer den krieg vom zaun gebrochen hatte). letztendlich sollte es uns lehren, dass gewalt immer wieder nur gewalt erzeugt, dass krieg das allerletzte ist was wir auf der welt haben sollten, weil in solch einem konflikt jeder mensch zum tier werden kann, auch noch in der neuzeit (siehe bosnienkrieg oder ruanda).wer sich weiter mit diesem thema beschäftigen möchte, der sollte ohne vorurteil zu den büchern von simonow greifen. seine triologie die lebenden und die toten, man wird nicht als soldat geboren und der letzte sommer gehören wohl zu den besten schilderungen von sowjetischen schicksalen in diesem krieg. sie sind weitgehend frei von falschem pathos, sind von einem russisch denkenden menschen geschrieben, der den krieg nicht am schreibtisch überlebt hat, und sie enthalten tatsächlich eine gute portion kritischer gedanken zum stalinismus dieser zeit, auch zu desertation in der armee, zu fragwürdigen praktiken politischer einheiten usw.
Stalin hat das schlechteste im Menschen gefördert - seit Tschingis Chan tut ein Asiatischer Sieger 3 Dinge, um den Feind vor seinem Tod endgültig zu demütigen:- er vergewaltigt dessen Frau- schläft in dessen Bett (wenn er denn die Zeit dazu findet, oft wird nur wahllos zerstört)- schei..t in dessen Hütte/Wohnungwer sich Bilder von befreiten Städten und Dörfern ansieht, wird genau das vorfindendie meisten Vergewaltigungen fanden im befreiten Osten nicht wegen Notzucht, sondern auf Befehl bzw. aus der Gruppendynamik heraus statt- wurden Städte/Dörfer wieder erobert fiel genau das sinnlose Zerstören der Wohnungseinrichtungen, der Betten und das absichtliche Beschmutzen der Wohnungen/Häuser auf.Die Bolschewisten mussten letztendlich sogar befehlen, die sinnlose Zerstörung und das sinnlose, dadurch nicht minder brutale Töten, einzuschränken, um die organisierte Plünderung von Werten und Verschleppung von Sklaven nicht zu gefährden.Was hier passierte, hatte nichts mehr mit Menschlichkeit zu tun, es war die wahre bolschewistische Fratze. Es war auch nicht Goebbels, der sie schuf, er hat sie nur nach dem Vorbild gezeichnet und nicht einmal übertrieben!
Ein guter Versuch auf einem schwierigen Terrain - Die Autorin hat sich tief in die Gefühls- und Erlebniswelt der Soldaten der Roten Armee begeben und damit eine beachtliche historische Studie geliefert. Auf der einen Seite hat sie sich dabei nicht immer von der untersuchten subjektiven Wahrnehmung im wissenschaftlichen Sinne freimachen können, was sich in Formulierungen über gewöhnliche Wehrpflichtige der Wehrmacht als Nazi-Soldaten und deren vermeintlich generellen Gräueltaten widerspiegelt. Auf der anderen Seite räumt sie eindrucksvoll und gründlich mit den Klischees auf, dass es im Wesentlichen nur grausame Angehörige einer barbarischen, asiatischen Horde oder aber nur glorreiche Helden der ruhmreichen Roten Armee im Großen Vaterländischen Krieg gab.Die quasi erzählerisch dargelegten Erkenntnisse machen das Erlebnis dieses Buches mit seinen Abgründen durchaus lesenswert und werfen ein erstes Licht in einen bisher verschwiegenen Teil der Geschichte.